Gedenken in Nauheim

Gegen das Vergessen

Am heutigen 9. November 2025 versammelten sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger aus Nauheim an der Gedenkstätte in der Hintergasse, um in einem pietätvollen Rahmen der Reichspogromnacht vor 87 Jahren zu gedenken. Es war ein stiller, bewegender Moment der Erinnerung an 18 jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger, die durch das nationalsozialistische Regime gedemütigt, deportiert und ermordet wurden.

Die Gedenkstunde begann mit einfühlsamen Worten von Herrn Hans Joachim Brugger vom Heimat- und Museumsverein, der die Bedeutung des Erinnerns hervorhob und das langjährige Engagement der Nauheimer Landfrauen würdigte. Diese sorgen seit Jahren für die Pflege der jüdischen Gedenkstätte und hatten auch an diesem Tag mit 18 aufgestellten Kerzen. eine für jedes Opfer – ein stimmungsvolles, würdiges Umfeld geschaffen.

Bürgermeister Marc Friedrich schilderte in bewegenden Worten die schicksalhafte Zeit und rief die Lebensgeschichten der 18 jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger ins Bewusstsein. Er sprach über das dunkle Kapitel der deutschen Geschichte und betonte, dass sich solche Gräueltaten niemals wiederholen dürfen. Seine Rede endete in stillem Innehalten.

Kirchliche Vertreter beider Konfessionen bereicherten die Gedenkstunde mit mahnenden Worten und Fürbitten: Frau Pfarrerin Stefanie Bischof von der Evangelischen Kirchengemeinde und Küster, Herr Ralf Uhlemann, von der Katholischen Kirche, erinnerten eindringlich an die Verantwortung, die aus der Geschichte erwächst.

Die Vorsitzende des Heimat- und Museumsvereins, Frau Ute Ansahl- Reissig, sprach ein jüdisches Gebet, das die Verbundenheit mit den Opfern und ihren Familien ausdrückt.

Den musikalischen Abschluss bildete das Trompetensolo von Hans Dieter Schindel, „Amazing Grace“, das in seiner Schlichtheit und Tiefe die Betroffenheit und Anteilnahme der Anwesenden unterstrich.  

Diese Gedenkstunde war mehr als ein Rückblick- sie war ein Appell an unsere Gegenwart: Nie wieder darf Hass und Ausgrenzung Raum greifen. Nie wieder dürfen Menschen wegen ihrer Herkunft, Religion oder Überzeugung verfolgt werden.

Das Gedenken in Nauheim ist ein Zeichen der Menschlichkeit, der Verantwortung und der Hoffnung. 

Anne Dammel, 09.11. 2025